14. Mai bis 17. Mai 2026
Dachthema
Konkrete Analyse der konkreten Situation:
Wie denken wir den notwendigen Antifaschismus unserer Zeit – und seine Widersprüche?
Geplant sind Vorträge und Diskussionen zum Dachthema mit Mario Candeias (Berlin), Frank Deppe (Marburg)*, Klaus Dörre (Jena & Kassel), Wolfgang Fritz Haug (Esslingen & Los Quemados), Ralf Hoffrogge (Berlin)*, Jan Rehmann (New York/Berlin), Daphne Weber (Berlin) und anderen. Die Liste der Referenten und Referentinnen wird weiter ergänzt. (* = angefragt)
Wo die Faschisierungstendenzen der Gegenwart allein als Abweichung von demokratisch-rechtsstaatlichen Verhältnissen oder als moralischer Skandal behandelt werden, droht Antifaschismus »hilflos« zu bleiben und zur Phrase zu werden. Denn der Faschismus ist kein der bürgerlichen Ordnung Äußeres, sondern eine ihr stets innewohnende Möglichkeit. Ein handlungsfähiger Antifaschismus, so wie er heute notwendig ist, basiert auf konkreter Analyse der konkreten Situation.
Die westliche Führungsmacht USA drückt in ihrer globalen Einflusssphäre der Gegenwart den Stempel auf: Repression und administrative Gewalt werden zu immer alltäglicheren Mitteln der Politik. Sozial- und rechtsstaatliche Garantien fallen der zum Symbol gewordenen »Kettensäge« zum Opfer, Einrichtungen des Bildungs-, Gesundheits- und Sozialwesens, der Justizbehörden und der internationalen Solidarität werden systematisch zerstört. Auf den Straßen der US-Metropolen agieren ICE-Paramilitärs als »Trumps moderne Gestapo«, klagt der demokratische Gouverneur von Minnesota, Tim Walz; dissidente Stimmen aus Kultur und Wissenschaft werden mundtot gemacht, liberale Universitäten finanziell und administrativ zur Unterwerfung gezwungen, kritische Medien auf Linie gebracht. Im Verhältnis zur Welt regiert ein ungeschminktes »America First«: als aggressiver Imperialismus, der ökonomische und geopolitische Interessen rücksichtslos verfolgt und auf liberale Selbstrechtfertigungen verzichtet. Zur konkreten Situation gehört auch, dass eine Handvoll Tech-Milliardäre für sich und ihre undurchsichtigen Aktivitäten die völlige Freiheit von staatlicher Kontrolle verlangen, sich umgekehrt aber unentbehrlich machen, etwa mittels Überwachungstechnologien, die heute schon in der Jagd auf Migrantinnen und Migranten oder bei der militärischen Zielbestimmung von zu liquidierenden Gegnern zum Einsatz kommen. Man sei, so der Historiker Adam Tooze, »an einem Punkt, an dem faschistoide Elemente in der us-amerikanischen Gesellschaft und Politik autoritäre, squadrismo-ähnliche Werte vertreten«.
Auch hierzulande scheinen die Zeichen der Zeit auf eine beginnende Faschisierung als Übergang zu direkter Herrschaft hinzudeuten: Bei den kommenden Landtagswahlen drohen AfD-Mehrheiten. Meinungskorridore verengen sich. Grenzregime werden immer stärker militarisiert. Nicht ums mensch(heit)liche Miteinander geht es, sondern um Abschottung und Hochrüstung zur Kriegstüchtigkeit.
Wie sind diese Faschisierungstendenzen mit der hochtechnologischen Produktionsweise vermittelt? Welche Veränderungen vollziehen sich in den Herrschaftsapparaten? Wer sind die handelnden Subjekte? Und wie kann ein kritischer Antifaschismus liberale Freiheiten und soziale Errungenschaften verteidigen, ohne den Sozialdarwinismus der Konkurrenz und das Recht des Stärkeren zu affirmieren? Welche Bündnisse sind möglich, ohne die eigene Kapitalismuskritik preiszugeben?
Im Zentrum der Tagung wird des Weiteren die gemeinsame Arbeit am Historisch-kritischen Wörterbuch des Marxismus stehen. Unter anderem sind Werkstätten zu folgenden HKWM-Artikelentwürfen geplant:
Neue Musik (Jörg Holzmann – Leipzig)
Neue Ökonomische Politik (Lutz Brangsch – Berlin)
Neue Rechte (Sophia Werfel – Berlin)
New Deal (Steffen Lehndorff – Köln)
Nichts (Daniel Queiser – Berlin)
Nichtregierungsorganisationen (Ulrich Brand – Wien
Nkrumahismus (William Shoki – Kapstadt)
Nomenklatura (Wolfram Adolphi – Potsdam)
Nord-Süd-Konflikt (Ana Garcia Saggiore – Rio de Janeiro)
Notwendigkeit (Wolfgang Fritz Haug– Esslingen & Los Quemados)
objektive Gedankenformen (Jan Loheit – Weimar, Thomas Pappritz – Berlin)
Öcalanismus (Rudolf Bürgel – Karlsruhe)
Ökoimperialismus (Markus Wissen – Berlin)
ökologische Modernisierung (Ulrich Brand – Wien)
ökologische Zivilisation (Chen Yiwen – Beijing)
Ökosozialismus (Hans Rackwitz – Frankfurt/M, Christian Stache – Hamburg)
Parole (Daphne Weber – Berlin)